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Tübkes Gemälde im Panorama-Museum in Bad Frankenhausen wird geschrubbt

  • Zentimeter für Zentimeter reinigen die Restauratoren das 123 Meter lange und 14 Meter hohe Monumentalbild „Frühbürgerliche Revolution in Deutschland“. Alle fünf bis sieben Jahre ist solch eine Reinigung des Gemäldes notwendig. Fotos: Ingolf Gläser Zentimeter für Zentimeter reinigen die Restauratoren das 123 Meter lange und 14 Meter hohe Monumentalbild „Frühbürgerliche Revolution in Deutschland“. Alle fünf bis sieben Jahre ist solch eine Reinigung des Gemäldes notwendig. Fotos: Ingolf Gläser
Bei über 80 000 Besucher im Jahr und einer Klimaanlage, die im großen Bildsaal für eine gleichbleibende Temperatur von 20 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von 60 Prozent um die Leinwand sorgt, wirbelt so manches an Fusselchen und Schmutz von den Schuhen durchs große Rund.
Bad FrankenhausenUnd setzt sich dann auch am Monumentalgemälde „Frühbürgerliche Revolution in Deutschland“ ab. Am 16. Oktober 1987 signierte nach Jahren harter Arbeit Werner Tübke sein Werk. Damals gab es auch noch kleinere Bauarbeiten im Bildsaal. Ende der 90er-Jahre erfolgte erstmals eine Reinigung des 123 Meter langen und 14 Meter hohen Bildes. Denn man stellte fest, dass an einigen Stellen durch die Ablagerungen die Farbbrillanz litt. So bei hellen Farben. Aber auch, weil der schwarze Himmel einen gräulichen Schimmer hatte, wie Mitarbeiterin Silke Krage auf TA-Nachfrage sagt.

Seit dieser Zeit gibt es je nach Bedarf alle fünf bis sieben Jahre eine große Reinigungsaktion am Bild. Es sind immerhin 1722 Quadratmeter. Das sind sieben Tennisplätze und mehr als die Grundfläche der Reichstagskuppel in Berlin. Es gibt also viel zu tun für die Restauratoren.

  • Restaurator Roland Enge bei der Arbeit. Handwerkszeug sind Staubsauger, spezielle Bürsten, Schwämme, Pinsel für Wandgemälde. Foto: Ingolf Gläser Restaurator Roland Enge bei der Arbeit. Handwerkszeug sind Staubsauger, spezielle Bürsten, Schwämme, Pinsel für Wandgemälde. Foto: Ingolf Gläser
Jährlich untersucht wird auch der Abbindungsprozess des Gemäldes. Also die Verbindung Farbe, Grundierung, Leinwand. Die dünne Leinwand wurde einst in einem Stück in Russland gewebt, sie ist oben und unten an einem Stahlring, Durchmesser 40 Meter, befestigt. Fünf Schichten Grundierung wurden aufgetragen, die russische Rezeptur ist geheim, weder Tübke kannte sie, noch die Museumsmitarbeiter.

Das Monumentalgemälde besteht aus weit über 3000 Figuren, bei den Schlachtszenen hat man sie nicht alle gezählt, manche Figur ist aber bis zu 3,50 Meter groß. Etwa 1,5 Tonnen Farbe, also die Masse eines Kleinwagens, wurden aufgetragen. Durch die Spannung, die entstand, wölbt sich die Leinwand in der Mitte etwas nach innen, vergleichbar mit einer Fischreuse. Besonders da, etwa in sechs, sieben Metern Höhe, lagert sich viel Material ab, was durch die Luft gewirbelt wurde.

Das Restauratorenteam, es besteht aus freien Restauratoren aus dem Raum Berlin, die sich für den Auftrag „Panorama“ zusammentun, ist erfahren. Die Dicke der Farbschicht, die aufgetragen ist, ist sehr unterschiedlich. Von hauchdünn bis fast 1,5 Zentimeter, wie Restaurator Roland Enge sagt. Diese dicke Schicht trug Tübke vor allem bei der Winterlandschaft auf, presste die Tube, führte dann den Pinsel, damit der Schnee nicht matschig, sondern wie Pulverschnee schimmert. Mehrere Farbschichten gibt es natürlich überall da, wo es darum geht, etwas plastisch darzustellen. Wobei die Künstler am Bild schon sparsam mit Farbe umgegangen sind, schildert Silke Krage. Es gibt zum Beispiel erdige Stellen, die glatt gestrichen, fast durchsichtig sind, wo man denkt, da schimmert die Leinwand durch.

Knapp zwei Monate planen die Restauratoren fürs Großreinemachen am Bild ein. Ein etwa sieben Meter breites Gerüst steht vorm Bild. Handwerkszeug sind Staubsauger, spezielle Bürsten, Schwämme, Pinsel für Wandgemälde. Ganz behutsam sind die Restauratoren Zentimeter für Zentimeter am Werk. Am Fußboden sieht man, was sich in den Jahren abgelagert hat.

Es gibt eine Einteilung des Bildes in Segmente, da wird dokumentiert, was gesäubert wurde. Auch, um beim riesigen Bild keine Stelle zu vergessen. Hat man den sieben Meter breiten Abschnitt der 14 Meter hohen Leinwand abgearbeitet, wird das Gerüst verschoben.

Die Reinigungsarbeiten erfolgen bei laufendem Besucherverkehr. Der Eindruck vom Monumentalbild bleibt. Und man hat, wie Silke Krage betont, sogar einen Größenvergleich, der sonst nicht möglich ist – wenn man die Restauratoren mit der Höhe von Figuren und Szenen des Bildes vergleicht. Das gibt noch einen besonderen Effekt zum Staunen und Bewundern der Leistung Werner Tübkes.

Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Reinigung, das und mehr sind wichtig, damit das Monumentalgemälde ganz viele Jahre für die Besucher erhalten bleibt.


Ingolf Gläser / 13.01.18 / TA
Z0R0141378027
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