Reise-Schnellsuche
Neueste Reise-Nachrichten
Kontakt
Aktuelle Reise-Nachrichten

Pro & Contra: Braucht Bad Tabarz einen neuen Skilift?

  • Der Skilift am Inselsberg, der vom Tabarzer Gemeindewerk betrieben wird, steht oft still in der Saison, weil der Schnee an der Talstation nicht reicht. Foto: Claudia Klinger Der Skilift am Inselsberg, der vom Tabarzer Gemeindewerk betrieben wird, steht oft still in der Saison, weil der Schnee an der Talstation nicht reicht. Foto: Claudia Klinger
Der Skilift am Inselsberg ist in den 1960er-Jahren in Feierabendarbeit gebaut und mehrfach modernisiert worden. Die letzte gute Saison war 2012/2013. Seitdem kommt der Skilift nur noch auf wenige Betriebstage.
Der Skilift am Inselsberg ist in den 1960er-Jahren in Feierabendarbeit als Lift für den Skiverein gebaut worden. Modernisiert wurden in jüngerer Vergangenheit der Antrieb, die Gehänge und das Kassensystem. Der TÜV prüft jährlich die Anlage. Die letzte gute Saison war 2012/2013. Seitdem kommt der Skilift immer nur noch auf wenige Betriebstage.

Pro: Dieter Hellmann, Tourismusausschuss Wie jedes Jahr haben wir auch jetzt wieder die Diskussion: Warum ist der Skilift am Inselsberg nicht in Betrieb? Ganz einfach: Weil wir nicht die gleichen geografischen und wettertechnischen Voraussetzungen haben wie vergleichbare Anlagen in Schmiedefeld, in Oberhof, in Heubach oder in Brotterode. Wir bekommen weniger Schnee ab und haben durch die Westlage immer ein paar Grad mehr.

Oben am Plateau, wo die Webcam steht, sieht es immer sehr schön aus. Aber unterhalb des Grauen Weges wird der Schnee oft dünn – sowohl auf der Piste als auch auf der Liftspur. Es reicht einfach nicht bis zur Talstation.

Außerdem ist unser Untergrund gemischt – zum Teil Rasen, zum Teil mit Steinen. Das macht das Präparieren noch schwieriger. Anderswo liegt nur Wiese unter der Piste. Das ist besser.

  • Dieter Hellmann (FW) ist Vorsitzender des Tourismusausschusses der Gemeinde Bad Tabarz. Foto: Claudia Klinger Dieter Hellmann (FW) ist Vorsitzender des Tourismusausschusses der Gemeinde Bad Tabarz. Foto: Claudia Klinger
Der Lift führt durch den Wald, links und rechts stehen hohe Bäume. Das macht die Präparation dort schwierig. Und immer wieder haben wir bei Stürmen Schäden am Lift durch herabstürzende Äste – wie vor zwei Wochen erst.

Eigentlich wäre es sinnvoll, sich auf das obere Drittel der Anfahrtsstrecke zu konzentrieren. Dort einen neuen Skilift zu bauen, hätte immense Vorteile. Liftspur und Piste wären nebeneinander und könnten besser präpariert und auch beschneit werden. Die Schneesicherheit ist da oben ohnehin wesentlich besser als in der unteren Hälfte der Abfahrtsstrecke.

Allerdings gebe es dafür viele Hürden. Denn wir müssen ja die Skifahrer nach oben bringen. Das ist schwierig, weil es auf dem Plateau nicht genug Parkplätze gibt und der Naturschutz neuen entgegen steht.

Es ist doch absurd. Da haben wir diesen markanten Berg, unseren Inselsberg, und wir können ihn nicht richtig für alpinen Sport nutzen. Ich finde, dass wir investieren sollten. Denn ich erlebe täglich, wie gefragt das alpine Angebot ist. Wir brauchen einen Lift als Besuchermagnet im Winter, und alle in der Region werben damit.

In meinem Sportgeschäft mit Skischule hatte ich am Donnerstag in einer halben Stunde elf Anfragen für einen Anfängerkurs für Ski alpin. Da waren Urlauber aus Bad Tabarz und aus Friedrichroda dabei.

Wir sind diese Woche mit unseren Kursen nach Brotterode ausgewichen. Dort läuft der Lift – allerdings ist die Piste auf einer Wiese. Es ist nicht optimal, aber es geht gerade so. Es fehlen einfach mindestens zehn Zentimeter Schnee – auch für unsere Abfahrtsstrecke am Inselsberg.

Es gab ja auch schon die Idee, den Kinderskilift vom Datenberg im Ort auf einen Hang am kleinen Inselsberg an der Grenzwiese zu verlegen. Das wäre ideal angesichts der Höhenlage und dank des Parkplatzes. Der Eigentümer der Wiese wäre sogar einverstanden gewesen, aber Umweltschutzgründe sprechen auch gegen diese Möglichkeit.

In meinen kühnsten Träumen stelle ich mir einen Ganzjahreslift vor, der die Menschen vom Parkplatz der Talstation nicht nur im Winter, sondern in allen Jahreszeiten auf das Plateau des Großen Inselsberges bringt.

Contra: David Ortmann, Bürgermeister Zweifellos hat der Skilift „Großer Inselsberg“ Bedeutung – für die Skifahrer , die in Bad Tabarz und Umgebung wohnen. Um Übernachtungen zu akquirieren, ist der Lift nahezu bedeutungslos. Die Monate November bis Februar sind mit jeweils knapp 4000 touristischen Übernachtungen die besucherschwächsten eines Jahres.

Wer heutzutage seinen Winterurlaub plant, entscheidet sich für eine schneesichere Region. Die Inselsbergregion zählt nicht dazu. Die klimatischen Bedingungen sind ungünstig. Während Oberhof in einer „Kältekammer“ liegt, ist die Bad Tabarzer Seite des Großen Inselsberges vom „Westföhn“ betroffen.

  • David Ortmann (SPD) ist Bürgermeister von Bad Tabarz. Foto: Claudia Klinger David Ortmann (SPD) ist Bürgermeister von Bad Tabarz. Foto: Claudia Klinger
Der Skilift ist seit vielen Jahren das größte Verlustgeschäft der Gemeinde. Die Technik ist zu schlecht. Unsere Beschneiungsanlage ist nicht mehr als eine Hobbyanlage. Und mit Oberhof und anderen Einrichtungen in Thüringen nicht einmal im Ansatz vergleichbar.

Der Verlust des Liftbetriebes summiert sich von 2010 bis 2016 auf insgesamt 519 000 Euro. Das heißt: drei Viertel einer jeden einzelnen Liftfahrt waren aus Steuermitteln finanziert. Um den Skilift annähernd kostendeckend betreiben zu können, müsste die Anlage 90 Tage pro Jahr geöffnet sein. Das kam in den vergangenen zehn Jahren nur einmal vor.

Der Skilift sollte jedoch so lange weiterbetrieben werden, wie es der technische Zustand der aktuellen Anlage zulässt. Allerdings müsste künftig akzeptiert werden, wenn die Witterung das nicht zulässt. Eine aufwändige und kostspielige Beschneiung des Hanges schließe ich aus.

Teure Leistungen, die nur von ein paar Wenigen genutzt werden, gehören auf den Prüfstand. Die Einnahmen der Gemeinde müssen zum Wohle der Mehrheit der Einwohner und der Zukunft des Ortes eingesetzt werden. Das wichtigste Kriterium für eine Investition in Bad Tabarz ist: Geld, das investiert wird, muss langfristig auch Geld bringen. Das ist bei einem Skilift im Thüringer Wald nicht der Fall.

Aber: Die Liftanlage ist in einer schwierigen Zeit, einer Zeit des Mangels, unter großem Einsatz der Tabarzer errichtet worden. Er darf in einer Zeit des Wohlstands nicht einfach geschlossen werden. Ob aber, wenn kommende Investitionen drohen, weitere Hunderttausende oder Millionen Euro in den Erhalt des Skiliftes fließen sollen, muss meiner Meinung nach die heutige Einwohnerschaft für die Zukunft entscheiden.

Bad Tabarz arbeitet derzeit an einem 365-Tage-Tourismuskonzept für den Großen Inselsberg, das auch mit dem Wirtschaftsministerium und dem Regionalverbund Thüringer Wald abgestimmt wird. Der Wille, den Großen Inselsberg zu entwickeln, darf nicht unterschätzt werden. Schließlich wurden seit 2013 rund 1,5 Millionen Euro öffentliche Gelder seitens der Gemeinde akquiriert und bereitgestellt, unter anderem für den Aussichtsturm. Das sind genau 1,5 Millionen Euro mehr als in dem Vierteljahrhundert zuvor. Das kann nur als Start für eine größere Konzeption gesehen werden, aber es ist glaubwürdig.


Claudia Klinger / 13.02.18 / ZGT
Z0R0143358362
Canonical URL